Chiemgauer Musikfrühling
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Liebe Freunde, Liebes Publikum,
Ohne kammermusikalisch verabschiedet zu werden, kann der Frühling nicht mit gutem Gewissen aus Traunstein davon eilen - Vorhang auf für den Chiemgauer Musikfrühling!
Die 4. Edition des Festivals wird die abwechslungsreichste und aufregendste aller bisherigen Editionen sein. Zusammen mit der künstlerischen Leiterin Diana Ketler, haben wir diesmal versucht, die Musik mit anderen Kunstrichtungen zu verbinden und bis zum Schluss ist es uns geglückt, gleich fünf davon für das Festivalprogramm zu gewinnen: die Literatur, die Malerei, die Photographie, die Bildhauerei und die Videokunst.
Somit wollten wir weitere Publikumskreise ansprechen – vor allem die Jugend aus dem Landkreis, weiterhin aufregende künstlerische Konstellationen schaffen und Hörgewohnheiten schärfen.
Berechtigte Fragen tauchen diesmal auf: Wie wird ein Stück von Richard Wagner, unmittelbar nach der Lesung eines verzweifelten Liebesbriefes an Cosima klingen; wie wird das Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert erklingen, nachdem man in der Pause die wunderschönen Fotografien, Keramiken und Bilder der Künstlerfamilie Klinger betrachtet hat; wie nimmt man Mozarts Klavierquartett wahr, gleich im Anschluss eines von einem berühmten Dj aufgelegten Stückes, dies bei simultan laufender Videoprojektion.
Es sind Fragen, die wir bewußt stellen und zusammen mit Ihnen beantworten möchten.
Für alle gibt es etwas zu hören: Drei Kammerkonzerte, die unterschiedliche Themen behandeln; zum ersten Mal ein Barockkonzert, das auf spannende Weise die Mathematik der Seele erforschen möchte.
Auch die diesjährigen Jubilare haben wir nicht vergessen: Die Sonate in c-moll von Edvard Grieg und das Klaviequintett von Sir Edward Elgar werden in der Klosterkirche aufgeführt.
Nach den zwei erfolreichen und ausverkauften Aufführungen des Wiener Masken- und Musiktheaters im vergangenen Jahr sind wir ganz gespannt auf das Kinderkonzert von
Arthur & August, diesmal Eine Musikalische Weltreise.
Das spannendeste und kühnste audio-visuelle Projekt Urban Experiments wird in der einmaligen Atmosphäre des Clubs KAFKA stattfinden: Bekannte Stücke von W.A.Mozart, R.Schumann und J.Brahms werden in Zusammenarbeit mit berühmten DJs und VJs aus Bukarest aufgeführt. Dazu gibt es eine atemberaubend schöne Lichtshow. Nach dem erfogreichen Start des Projektes im vergangenen Herbst in Bukarest, ist Traunstein die zweite Station. Weitere geplante Auffürungsorte sind London, Wien, Berlin, München und Tokio.
Besonders erfreut mich die erste Zusammenarbeit mit der Städtischen Gallerie Traunstein, die ein Teil der Austellung der Photographen Konstanze und Thomas Klinger, der Keramikerin Eva Klinger-Römhild und des Malers Will Klinger-Franken in der Klosterkirche präsentiert.
Premiere ist auch die Kooperation - unter dem Dach der Europagesellschaft Salzburg - mit dem Tartini Festival in Piran, Slovenien , der Mozartiade/Schwäbischer Kultursommer in Augsburg un dem SoNoRo Kammermusikfestivals in Bukarest, die dem Chiemgauer Muskfrühling und der Stadt Traunstein als Kulturstandort eine aktuelle europäische Dimension verleiht.
Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Woche, voller Überraschungen und Entdeckungen!
Ihr
Razvan Popovici
Festivalleiter
Sie werden sich schon einmal gefragt haben, warum der Chiemgauer Musikfrühling im Juni stattfindet. Ich möchte Ihnen diesmal die Antwort verraten: Zusätzlich zur Tatsache, daß es eine der geeignetesten Wochen im ganzen Jahr ist, um solch weltweit gefragte Künstler zusammenbringen zu können, lautet die verborgene Antwort ganz anders – es ist unser idealistischer Wunsch, den Frühling so lang wie möglich blühen zu lassen und ihm, als die beste Zeit der kreativen Sehnsucht, treu zu bleiben.
Edvard Grieg, dessen 100. Todestag in diesem Jahr weltweit gefeiert wird, umfasste mit seiner Zuneigung zu dem Frühling nicht nur die Verbindung zu dieser Jahreszeit, sondern vor allem die Liebe zu seiner Heimat und den nahestehenden Menschen.
An einen Freund schrieb er einst: “Es ist traurig, Landbesitz zu haben und nicht zeitig im Frühling daheim sein zu können, wo man doch alle Ideen bekommt”.
In dem Album Lyrische Stucke op. 43, ist der Frühling so allgegenwärtig, daß der Verleger von Edvard Grieg, Max Abraham, ihm folgende alternative Uberschriften nahelegte: Frühlingsblumen, Frühlingsblätter, Frühlingsblüthen, Frühlingsbilder, Frühlingsgrüsse, Frühlingsklänge, Frühlingsträume oder Frühlingsmärchen.
Ich freue mich sehr, daß im Eröffnungskonzert eins seiner Meisterwerke, die Sonate für Violine und Klavier in c-moll op. 45, erklingen wird.
Welch ein Geschenk, reisender Musiker zu sein und den Frühling mehrmals im Jahr erleben zu dürfen: In diesem Jahr begegnete ich ihn zuerst in Spanien und anschliessend in England, Deutschland und in der Schweiz – eine vierfache Inspiration. Denn die schönste Aufgabe eines Künstlers ist, jung im Herzen und offen im Geiste zu bleiben und damit den Lenz der Kreativität zu nähren.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Zuhören!
Herzlichst,
Ihre Diana Ketler
Künstlerische Leiterin


